Die Bundesregierung möchte mit dem Regierungsprogramm “E-Government 2.0″ auch mehr Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung übers Internet schaffen. Das ifib hat im Auftrag des Bundesinnenministeriums gemeinsam mit Zebralog e.V. aus Berlin in einer Studie den Stand der Online-Bürgerbeteiligung in Deutschland im internationalen Vergleich beschrieben und Handlungsempfehlungen formuliert. Die Ergebnisse hat Herbert Kubicek, Geschäftsführer des ifib, bei einem Termin am 03.06.2008 an Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble übergeben und ihm dabei auch die darin enthaltenen Vorschläge näher erläutert.
“Angebote zur persönlichen Teilhabe und aktiven Beteiligung an den politischen Entscheidungsprozessen sind ein wertvolles Mittel, der zunehmenden Distanz der Bürgerinnen und Bürger zur Politik mit konkreten Maßnahmen zu begegnen”, betonte der Bundesinnenminister die Bedeutung der Studienergebnisse. Rund ein Viertel der Bevölkerung habe bereits politische Informations- und Beteiligungsangebote im Internet genutzt. 10 Mio. Menschen können sich vorstellen, E-Partizipationsangebote zu nutzen. Lokale Projekte zeigen das große Mobilisierungspotenzial der Mitmachangebote.
Die vom ifib abgegebenen Empfehlungen reichen von gezielten Online-Konsultationen Betroffener und Experten im frühen Stadium von Gesetzgebungen bis hin zu einem Förderprogramm für Nichtregierungsorganisationen, die auf diesem Feld äußerst innovativ sind. Daneben schlagen Kubicek und seine Mitautoren auf Bundesebene die Schaffung eines zentralen Registers für Informationen nach dem Informationsfreiheitsgesetz vor, wie dies in Deutschland bislang nur in Bremen umgesetzt worden ist.
Beispiel eines Angebots zur Steigerung von Transparenz amtlicher Informationen in Deutschland
Ein Charakteristikum von E-Partizipationsangeboten nichtstaatlicher Organisationen ist, dass sie Lücken im staatlichen Angebot aufzeigen und helfen, diese durch eigene Angebote zu schließen. In Bezug auf die Umsetzung des Informationsfreiheitsgesetzes zeigt sich dies an einem Projekt des Chaos Computer Club e.V. (CCC) und des Vereins zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs (FoeBuD), dem Portal „Befreite Dokumente“. Dieses Portal versteht sich als Aktensammelstelle der Informationsfreiheitsgesetze des Bundes und der Länder. Auf der Plattform können Bürgerinnen und Bürger Informationen und Akten veröffentlichen, die sie durch eine Anfrage nach dem IFG erhalten haben. Die Plattform bietet auch eine Suchfunktion für die bereits veröffentlichten Dokumente. Abgesehen von seiner provisorisch anmutenden Ausführung erfüllt die Plattform die Funktionen eines „Electronic Reading Rooms“, wie er in den USA von staatlicher Seite angeboten wird.
Studie E-Partizipation