Schwerin: Der Stadt in die Akten schauen

Von Timo Weber

Das verstaubte Amtsgeheimnis gehört seit fast zwei Jahren auch in Schwerin der Vergangenheit an. Seit Inkrafttreten des Informationsfreiheitsgesetzes Ende Juli 2006 sind bei der Stadtverwaltung 63 Informationsbegehren eingegangen, 53 konnte in vollem Umfang ent sprochen werden.

Die    Quote    der    Landeshauptstadt    ist    äußerst    positiv: 63    Informationsbegehren    konnte    in    53    Fällen entsprochen    werden.    In    einem    Fall    wurde    dem Begehren    teilweise    stattgegeben,    in    vier    Fällen konnte    dem    Anliegen    nicht    entsprochen    werden.    In zwei    Fällen    handelte    es    sich    nicht    um    Anträge entsprechend    des    Gesetzes,    ein    Antrag    wurde    zurückgezogen.    In    einem    der abgelehnten    Fälle    ist    gegenwärtig    eine    Klage    vor    dem    Verwaltungsgericht Schwerin    anhängig.    Die    Gründe    für    die    Ablehnung    beruhen    auf Persönlichkeitsrechten    bzw.    der    Einhaltung    von    Betriebs-    und Geschäftsgeheimnissen.    Eine    exakte    Ausarbeitung    für    den    Landesbeauftragten für    Datenschutz    und    Informationsfreiheit    wird    bis    zum    Jahresende    2008    erfolgen, teilte    die    Stadt    auf    Anfrage    mit.

„Zusammenfassend    können    wir    sagen,    dass    das    Recht    auf    Informationsfreiheit von    Anbeginn    an    beim    Bürger    mit    einem    guten    Gespür    für    das    Machbare    gut angekommen    ist“,    so    Axel    Kleinschmidt    von    der    Rechtsabteilung    des Hauptverwaltungsamtes.    Das    lasse    sich    nicht    zuletzt    aus    der    überragenden    Zahl der    positiven    Bescheide    ableiten.    Bei    dem    Recht    auf    Informationsfreiheit    handelt es    sich    unabhängig    von    jedwedem    Status    um    ein    so    genanntes    „Jedermann-Recht“,    d.h.    der    Antragsteller    muss    nicht    unbedingt    ein    Schweriner    sein.

Theoretisch    könnte    auch    ein    Japaner,    Russe    oder    Amerikaner    hier    einen    solchen Antrag    stellen.    Beachtlich    ist    weiterhin,    dass    der    Antrag    keinerlei    Begründung benötigt,    es    ist    lediglich,    im    übrigen    formlos,    die    Schriftform    einzuhalten.    Die Anträge    in    Schwerin    werden    dem    gesetzlichen    Auftrag    entsprechend    so    schnell wie    möglich    bearbeitet,    eine    so    genannte    Untätigkeitsklage    –    beim Informationsfreiheits-Gesetze    MV    bereits    nach    einem    Monat    möglich    –    ist    bisher noch    nicht    eingegangen.

Selbst    der    für    seine    Verwaltungskritik    bekannte    Stadtvertreter    der    Bündnisgrünen, Dr.    Edmund    Haferbeck,    hatte    die    Arbeit    der    Stadt    hinsichtlich    des Informationsfreiheits-Gesetzes    gelobt.    „Als    Bürger    und    Journalist    habe    ich mehrere    Akteneinsichten    bei    der    Stadtverwaltung    Schwerin    nach    dem    Gesetz beantragt    und    auch    unbürokratisch    genehmigt    bekommen.    Die    Bearbeitung    dort ist    professionell    und    dienstleistungsorientiert“,    berichtete    Haferbeck.

Mit    dem    Informationsfreiheits-Gesetz    erhält    erstmals    jeder    ohne    weitere Voraussetzungen    Zugang    zu    amtlichen    Informationen    aller    öffentlichen    Stellen des    Landes    einschließlich    der    privatrechtlichen    Unternehmen    in    öffentlicher    Hand und    kann    Einsicht    in    Verwaltungsvorgänge    nehmen.    Durch    diesen    Anspruch werden    Verwaltungsvorgänge    transparenter    und    das    Prinzip    der Amtsverschwiegenheit    wird    erheblich    begrenzt,    so    Karsten    Neumann, Landesbeauftragter    für    den    Datenschutz    Mecklenburg-Vorpommern.    Das    schaffe Vertrauen    in    Staat    und    Verwaltung    und    stärke    gleichzeitig    die    demokratischen Beteiligungsrechte    der    Bürger.

Die    Anträge    betreffen    insgesamt eine    Fülle    von    Themen    aus    den unterschiedlichsten    Bereichen:    Die    Kosten des    Bush-Besuches    waren    beim    Land beispielsweise    ebenso    Thema    wie    die verzögerte    Bearbeitung    von Genehmigungsverfahren,    die    Einsichtnahme in    Bauunterlagen    oder    in    die Preiskalkulationsunterlagen    von Stadtwerken.