Von Sylvia Blankenburg
“Wir stellen uns dem Dialog”, erklärte gestern Verbandsdirektor Heiko Suhren.
Dass Bürger angesichts der geplanten Erweiterung des Müllheizkraftwerkes (MHKW) verunsichert sind, kann Suhren nachvollziehen. Die als “berechtigt empfundenen Sorgen” will der Verbandsdirektor insbesondere den Neustädtern und Sierksdorfern nehmen. Aufklären über die zweite Verbrennungslinie im Industriegebiet sollen Flyer, die der ZVO an die Haushalte in beiden Gemeinden verteilt. Das Protokoll des Erörterungstermins kann bei dem Unternehmen eingesehen werden.
Zur “Chefsache” machen Suhren und die beiden Geschäftsführer der ZVO Entsorgung GmbH die Beantwortung von Emails, die den ZVO vom 26. Mai bis zum 6. Juli zum MHKW erreichen. Persönlich Rede und Antwort stehen Heiko Suhren, Hans Rappl und Hans-Dieter Wilcken in einer Telefon-Hotline, die am 5. und 7. Juni sowie am 19. und 21. Juni jeweils von 16 bis 19 Uhr eingerichtet wird. Das direkte Gespräch sucht der ZVO auch mit der Bürgerinitiative für ein besseres Müllkonzept und lädt den Vorstand am 26. Juni um 17 Uhr in den “Marienhof” in Neustadt ein.
“Wir werden alle Unterlagen offen legen”, versprach Suhren mit Blick auf den von der Initiative gestellten Antrag, Verträge zum MHKW einzusehen. Der Entsorgungsvertrag mit dem Kreis Ostholstein sei sofort einsehbar, für die Spartenbilanz und den Ausgliederungsplan müsse man wegen “schutzwürdiger Belange” zunächst die Zustimmung der beteiligten privaten Unternehmen einholen. Das könne länger dauern als die im Informationsfreiheitsgesetz vorgesehene Frist von vier Wochen.
Der Zweckverband geht davon aus, dass das Staatliche Umweltamt die Erweiterung des MHKW Ende Juni genehmigt. In der Entscheidung, die zweite Verbrennungslinie zu bauen, sieht sich das Unternehmen durch den Beschluss der Norddeutschen Affinerie in Hamburg bestätigt, das “Abfall-Kraftwerk” mit einer Kapazität von 750 000 Tonnen nicht zu bauen. “Die haben gut gepokert und gute Strompreise erreicht”, kommentierte Suhren diesen Rückzieher und meinte in Bezug auf andere Bauvorhaben in Norddeutschland: “Was davon realisiert wird, wissen wir nicht.”
Dass die Stadt Neustadt ihre Bauleitplanung im Industriegebiet vorantreibe, befand der Verbandsdirektor als “völlig in Ordnung”. Wunsch der Gesellschafter sei es allerdings, dass die Stadt gemeinsam mit der Entsorgung GmbH ein Konzept zur Abnahme der Fernwärme aus dem vergrößerten MHKW entwickele. Die ZVO Entsorgung GmbH rechnet mit einem Baubeginn im Frühjahr 2008 und einer Bauzeit von eineinhalb Jahren.